Vor einem halben Jahrhundert brachte Ford in Europa ein neues Coupé auf den Markt. Es war die Geburtsstunde einer
automobilen Ikone. Der Ford Capri – „ein außergewöhnliches Fahrzeug für einen gewöhnlichen Markt“ – faszinierte die
stilbewusste Käufergeneration mit seiner sportlich-eleganten Silhouette und dem Spirit von Freiheit
Mit verschiedenen Ausstattungspaketen, Optionen und
einer breit gefächerten Motorenpalette bot der Capri zu
seinem Marktstart etwas für jeden Geschmack. Insgesamt
standen 26 Varianten zur Auswahl – in der Industrie
damals bahnbrechend.
Im Januar 1969 wurde der Capri auf dem Brüsseler
Autosalon der Presse vorgestellt und bis seine Produktion
im Jahr 1987 endgültig eingestellt wurde, verkaufte Ford
fast zwei Millionen Exemplare dieses Kultautos.
Während seiner Entwicklung hieß der Capri übrigens
noch Colt, doch diesen Namen hatte sich bereits Mitsubishi
reserviert. Eine italienische Insel mit roter Sonne,
Spielwiese der Hollywoodstars der 1960er Jahre, lieferte
die vielleicht viel passendere Alternative, um den Glamour
und den Anspruch des Autos einzufangen.
1969 war Harry Carlton Pressesprecher für den Bereich
Pkw bei Ford of Britain und in dieser Funktion eng in die
Markteinführung des Capri in Europa eingebunden. „Zu
dieser Zeit war der Mustang in den USA und Europa DIE
Neuheit“, erinnert er sich. „Die Ankündigung, dass Ford
eine europäische Version auf den Markt bringen will, wurde
von der Presse und der Öffentlichkeit mit Begeisterung
aufgenommen.“
„Zum Auftakt des Presse-Launchs in Großbritannien
organisierte Ford of Britain ein Abendessen im Londoner
Hilton-Hotel, zu dem die Journalisten samt Ehegatten
eingeladen wurden. Die Veranstaltung war ein Erfolg
und die Rückmeldungen auf das Design des Capri fielen
äußerst positiv aus.“
Mit Begeisterung aufgenommen
Neben glamourösen Gala-Events wollte Ford der Presse
natürlich schnellstmöglich die Fahrqualitäten des Capri
demonstrieren.
„Anfang Januar 1969 luden wir britische und skandinavische
Medien zu Fahrtests nach Zypern ein“, erzählt
Carlton. „Jede Gruppe konnte den Capri zwei Tage lang
fahren, unter anderem durch das Troodos-Gebirge mit
Zwischenstopp in der Gipfelregion des Olympos. Die
schneebedeckten Straßen dort waren für die Journalisten
ein besonderes Extra.“
In Großbritannien plante Ford die Einführung des Capri
GT 3000 mit 3,0-Liter-V6. „Die Produktion sollte aber
erst in zwölf Monaten anlaufen, also hat Ford Competitions
für die Pressevorstellung kurzerhand sechs
Fahrzeuge mit einem für den Rallyeeinsatz vorgesehenen
BDA-Motor mit 16 Ventilen ausgestattet, damit die
Journalisten einen leistungsstarken Capri Probe fahren
konnten. Die Reaktionen waren hervorragend, auch wenn
klar war, dass dieses Auto so niemals gebaut werden
würde.“
Für zusätzliche positive Berichterstattung sorgte im
gleichen Jahr der Prototyp eines 3,0-Liter-Capri mit Vierradantrieb,
mit dem Rallye-Legende Roger Clark beim
Rallyecross-Lauf im englischen Croft antrat. Das Rennen
wurde im Fernsehen übertragen.
Im Motorsport sollte der Capri bekanntermaßen
Legenden-Status erreichen: Zu seiner Erfolgsbilanz der
1970er Jahre zählten die Deutsche Automobil-Rennsportmeisterschaft,
die Europa-Tourenwagen-Meisterschaft,
die Plätze eins und zwei beim 24-Stunden-Klassiker von
Le Mans und ein Dreifachsieg beim 24-Stunden-Rennen
im belgischen Spa-Francorchamps.
Im Februar 1969 rollte der Ford Capri I zu den Händlern.
6.995 DM kostete das 1,3-Liter-Basismodell in Deutschland
– eine Preis-Leistungs-Sensation!
Zum großen Verkaufserfolg, das meint auch Carlton,
trugen vor allem die zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten
bei.
„Die Tatsache, dass es nahezu für jeden Geschmack
und Zweck den passenden Capri gab, war ein starkes
Verkaufsargument. Das Motorenangebot reichte vom
1,3-Liter bis zur 3,0-Liter-Maschine, hinzu kamen zahlreiche
Ausstattungsoptionen und eine breite Auswahl
an Farben. Damit war der Capri im wahrsten Sinne des
damaligen Werbeslogans ‚das Auto, das Sie sich schon
immer gewünscht haben‘.“
Außerdem, meint Harry Carlton, traf der Wagen stets
den Nerv der Zeit. „Ich glaube, der Capri war deshalb
über so lange Zeit ein so großer Erfolg, weil er Schritt
mit den veränderten Geschmäckern hielt und Trends
vorausahnte. Zu Anfang wurde beispielsweise häufig der
Gepäckraum kritisiert. Dies wurde bereits mit dem Capri
II adressiert, der einen variablen Innenraum mit umklappbarer
Rücksitzlehne erhielt.“
In den Jahren nach der Premiere flossen diverse Modifikationen
und Modellpflegemaßnahmen in die erste
Capri-Generation ein und auch das Motorenprogramm
wurde überarbeitet. Highlights: der in Köln produzierte
Capri 2600 RS und der 3100 RS aus dem englischen
Halewood.
1974 präsentierte Ford den Capri II mit modernisiertem
Design und gestrafften Ausstattungsoptionen. Die dritte
und letzte Modell-Generation des Ford Capri betrat im
März 1978 die Bühne. 1981 reihte sich der Ford Capri 2,8
Injection, eine Entwicklung des Teams „Special Vehicle
Engineering“, in die Sportlerriege ein. 1984 leiteten die
Modelle Super GT und Super Injection dann das Ende der
Ford Capri-Ära ein.
Ein brillantes Auto
Europaweit stehen in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen
im Zeichen von „50 Jahre Ford Capri“, so auch ein
Sonderrennen bei der Silverstone Classic, die im Juli in
England stattfindet.
Der schnellste Capri bei der Historic Touring Car Challenge
erhält eine Trophäe aus den Händen von Motorsportlegende
Gordon Spice. Der Brite fuhr zwischen 1976
und 1980 mit einem Ford Capri 24 Siege bei der British
Saloon Car Championship ein. „Der Capri war für mich
ein besonderes Auto“, sagt er. „Er war mit Abstand das
einfachste Auto, mit dem ich je Rennen gefahren bin.
Absolut unkompliziert. Das Fahrwerk war einfach anzupassen
und das Handling dadurch wirklich sehr gut.
Einfach nur ein brillantes Auto